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Netzjagd Nr. 9

Das Internet löst sich von Ketten und Kabeln, es beginnt, mit uns frei in der Welt herumzulaufen, und immer mehr Anwendungen erreichen jetzt den Mainstream.

Über mobile Ortungs- und Empfehlungsdienste wie Gowalla und Foursquare haben wir in der Vergangenheit schon gesprochen. Lonely Planet und die Stadt Amsterdam wenden das Thema mit ihren Gratis-Apps aufs Thema Reisen an.

Aber das Rad beginnt, sich noch viel schneller zu drehen. Denn einige Dienste sind noch viel rigoroser.

Pachube ist ein Datenkrake. Mit der Zielsetzung das “Internet of things” zu erschaffen, ist Pachube eine Community, die Echtzeit-Daten aller Art von ihren Mitgliedern sammelt. Ihr Motto: “Umwelten verbinden, den Planeten reparieren.” Die Art der Daten ist frei wählbar. Dabei entstehen Kurven, die die Entwicklung der Temperaturen an jedem Ort der Welt abbilden, den CO2-Ausstoß oder den persönlichen Kaffeekonsum. Für die unterschiedlichsten Sorten der Datenerfassung oder -ausgabe gibt es dezidierte Apps für verschiedene Smartphones.

pachube

http://community.pachube.com/

Spektakulär ist auch diese sehr spezielle Anwendung, die nur über persönliche Anfrage und nicht im App-Store zu haben ist. Die Monstermetropole Tokio ist von Werbung überflutet. Um auf das N Building, einem Geschäftszentrum aufmerksam zu machen, wurde das gesamte Gebäude in einen QR-Code verwandelt. Damit wiederum triggert man ein iPhone-Programm, das einen Blick ins Innere gewährt, inklusive der Menschen, die sich darin bewegen und der Nachrichten, die sie posten.

nbuilding

http://www.sonasphere.com/blog/?p=1288#more-1288

Wenn das so weitergeht, steht Augmented Reality bald im Museum. Vor einem Jahr noch fast utopisch, ist es jetzt eindeutig im Mainstream angekommen. Der Beweis dafür ist diese Anwendung fürs iPhone von Nike. Ein Team von Trendscouts ist in angesagten Metropolen unterwegs und stellt Tipps, die es für heiß hält ins Netz. Diese legen sich als Layer übers Kamerabild, wenn man durch die Straße geht. Das ist der Grundstock. Jeder Nutzer kann dann auch eigene Tipps direkt vom Handy aus einstellen. Diese werden automatisch mit ihrem Geotag versehen und tauchen beim Spazieren und auf der Übersichtskarte auf.

niketruecity

http://niketruecity.com/

Weiter geht’s mit der Werbung. Mit schlechter Werbung. “Kinder und Tiere gehen immer”, hieß es früher, als ich noch beim Fernsehen war. Davon ist die Vereinigung unabhängiger Werbeproduzenten in den U. S. A. so genervt, dass sie einen Generator ins Netz gestellt hat, mit dem man miese Spots gleich selbst machen kann. Alle Klischees inklusive.

clichemachine

http://www.stopbabiesandpuppies.com/

Sehr hübsch hingegen finde ich die Website von Sensisoft. Man navigiert hier um eine Litfaßsäule herum. Dabei stellen sich mit jeder Perspektive neue Straßenansichten ein, die äußerst phantasie- und liebevoll gestaltet sind.

sensisoft

http://www.sensisoft.com/

Ein Kracher in Sachen persönlicher Verweildauer ist dieses Special von Verbatim, dem Hersteller von Speichermedien. “Monsters of Media” kann man da gestalten und zum Kampf gegeneinander antreten lassen. Ganz große Game-Engine, geniale Grafik, tolle Umsetzung und Premiumspaß.

verbatim

http://www.verbatim.jp/senshuken/

Und wieder weg von der Werbung: Antipreneur preist superhippe Lifestyle-Gadgets und wundervoll überflüssige Produkte mit extrem humorvollen Beschreibungen an. Die Auflösung kommt, wenn man auf “Kaufen” klickt: Wenn wir richtiges Geld für diesen Ramsch verplempern wollen, dann könnten wir es ebensogut an eine der aufgelisteten Hilfsorganisationen spenden. Tolle Idee.

antipreneur

http://www.antipreneur.de/

Viel Spaß beim Jagen und schickt all Eure beste Beute an mich!

Heulen Sie mit!