Schmeißt Eure Websites weg – Facebook regiert!
Das Magazin FHM hat seine Website gelöscht. Au Backe. Und herzliches Beileid. Schon ist die gesamte Branche in Aufruhr und kann vor lauter Aufregung gar nicht mehr weiterschlafen.
Das Social Media Blog von Welt Kompakt berichtet drüber, Nico Lumma, immerhin Social-Media-Director bei Scholz and Friends erkennt in Gesprächen mit seinen Kunden darin eine Bewegung, die er ihnen offenbar auch nicht ausredet, und die Webguerillas testen auf ihrer eigenen Facebook-Seite schon mal den Trend und ernten einigen Zuspruch.

Das Fazit zuerst: Social Media werden immer noch nicht verstanden. Von vielen Marken nicht und auch nicht von den beratenden Agenturen. Mein Eindruck ist, bei den Marken ist jetzt nach dem allgegenwärtigen Tröten ins Social-Media-Horn endlich durchgesickert: “Ach so, Social Media, das ist doch dieses Facebook-Dings, und es kostet mich fast nichts – jetzt hab ich’s auch verstanden! Dann brauchen wir die Website ja gar nicht mehr.”
Richtig. Denn die kostet nur Strom, und unverschämte Agenturen wollen laufend dafür Geld haben.
Immerhin, Thomas Koch von Crossmedia sieht bei einer Umfrage in der W&V in der Website-Abschalterei nur “pubertäres Sommerloch-PR-Geplänkel”. Es gibt also Agenturen, die sind noch unverschämter, als angenommen.
Oder spricht da jemand, der mitdenkt?
Also, abschalten geht. Es fallen weg: Hosting- und Traffic-Gebühren, CI-Pflege und Ideen. Auf Facebook reicht es, wenn man über den Tag verteilt lustige Fragen stellt und Allgemeinplätze verbreitet. Das lässt man dann den Praktikanten machen. Presto!
Natürlich ist es dann auch so, dass die Marke ein wenig wie ein Obdachloser wirkt, der auf der Dauerquasselparty Facebook um Asyl bittet. Im Zweifel wird er dann des Hauses verwiesen, wenn er gegen die Hausordnung verstößt. Dumm dann. Muss er bis dahin ganz auf einen festen Wohnort verzichten? Keineswegs, FHM zum Beispiel hat ab jetzt die leicht zu merkende Adresse: http://www.facebook.com/pages/FHM-Germany/136809660183. Die macht sich gut auf allen Werbemitteln.
Irritierend ist natürlich, dass Menschen eigentlich nicht ausschließlich auf Partys unterwegs sind. Tun Marken sowas? Doch, doch, bestimmt. Sollen doch die anderen großflächige, emotionale Zeichen setzen, mit denen ihre Marken Profil und Persönlichkeit entwickeln. Uns reicht die Stimme des Praktikanten.
Mit Gewinnspielen ist es natürlich auch vorbei, die gestattet Facebooks Hausordnung nämlich nicht. Da hilft es auch nichts, ein Gewinnspiel von der eigenen Website über einen iFrame bei Facebook einzuspeisen, was geht, weil es dann nämlich auf eigenen Servern stattfindet. Die hat FHM aber jetzt nicht mehr, da waren sie gründlich. Hmm. Deshalb mogeln sie. Es gibt ein Gewinnspiel, man bestaune den attraktiven Teaser im Bild weiter oben. Der führt nun aber zu einem Server von Ehapa, das ist der Verlag mit den Lustigen Taschenbüchern, und eben FHM. Etwas kläglich, das Ganze.

Heute diskutiert alle Welt über die Möglichkeiten von HTML 5. Ohne eigene Website muss man sich diesen Kopf aber nicht mehr machen, denn programmiert wird auf Facebook ausschließlich in Zuckerbergs eigener Stammelsprache FBML.
Das befreit den Kopf mindestens so sehr, wie die Tatsachen, dass wir nicht mehr viel über unsere Nutzer wissen müssen. Denn in diesem Modell gehören alle Daten jetzt Facebook und nicht mehr der Marke.
Klarer Fall, Websites waren gestern. Markenführung auch. Der Praktikant lächelt zufrieden.



[...] von Microsites ausgerufen: VW, Coca-Cola, Unilever verlagerten ihre Kampagnen ins Social Web, das FHM-Magazin schaltete gleich die ganze eigene Website ab (da der Verlag pleite ist, macht das nix mehr – gerettet hat es aber auch [...]