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Netzjagd Nr. 28

Diese Netzjagd beginnt tiefschwarz, sammelt dann Daten und verliert sich zum Schluss im Sand.

Ein Frame-by-Frame-Filmprojekt gab es schon in der letzten Netzjagd, aber The Johnny Cash Project ist wirklich was Besonderes. Sieben Jahre nach dem Tod des Man in Black bring Universal den Song Ain’t No Grave mit einem Video raus, bei dem jedes Einzelbild von uns nachgemalt wird. Das Ganze wird dadurch nicht nur ziemlich tiefschwarz, sondern durch die tausenden verschiedenen Striche aller Beteiligten von pointillistisch über abstrakt zu fotorealistisch auch zu einem enorm persönlichen Testament des Künstlers. Es gibt noch viel zu malen – schwärzen wir’s an.

Regelmäßige Beobachter der TED Conference sehen gelegentlich diese genial dynamisch aufbereiteten Datenvisualisierungen. Ab jetzt können wir alle solche Datensätze aufbereiten, und wären sie von einem amerikanischen Hersteller von Präsentationssoftware, er würde todsicher Adjektive wie “awesome” und “jaw-dropping” dazusetzen.

Google Labs stellt Daten zu unterschiedlichsten Lebensbereichen zur Verfügung, und mit etwas Glück ist ausgerechnet der Bereich dabei, den wir in Korrelation setzen wollen, wenn wir etwas zu beweisen haben. Zum Beispiel, dass die Arbeitslosigkeit in Europa mit der Ausbildungsstatistik in Kalifornien zu tun habe. Oder so.

Und dann war da noch die sensationelle Sache mit dem Sand. Viele kennen das noch von früher, zwei Plexiglasscheiben, und von oben lässt man bunten Sand reinrieseln, um damit Bilder zu malen. Genau so funktioniert diese zeitzerstörende Website, nur dass uns der Sand dabei aus der Maus rieselt, hübsch mit Sound und toller Physik. Mit einem Druck auf die Taste “c” können wir die Color ändern, mit einem simplen Strich durch die Farbpalette sogar Verläufe machen. Das alles wäre nun fast nicht erwähnenswert, wenn nicht die Kunstfertigkeit der dort entstandenen Bildwerke so oft so erstaunlich groß wäre. Ein Blick in die Galerie, und mir fällt nichts mehr ein als “this is jaw-dropping awesome” (auf “Sort by view count” klicken).

Wer zu faul war, um sich in der Galerie Porträts von Cary Grant bis Super Mario oder die recht überzeugenden abstrakten Farbwerke anzusehen, dem sei gesagt, dass dieses kulturhistorische Dauerphänomen seit 2008 232.000 Bilder hervorgebracht hat. In dieser Zeit fließt sehr viel Sand die Sahara runter. Neuerdings sogar aus Mäusen.

Viel Spaß beim Jagen, schickt all Eure beste Beute an mich!

  1. [...] Wer auf diese Weise etwas zum Wohl der Welt beigetragen hat, der will die Ergebnisse auch zeigen können. Das geht super mit den Tools von Gapminder, dessen API auch Google zu benutzen scheint. (“Wir” berichteten.) [...]

Heulen Sie mit!