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Netzjagd Nr. 36

Es hat gedauert, es hat sich gesammelt, es wird endlich gezeigt: Fünf Dinge, die der Rede wert sind.

Ich könnte mit New Yorks hottest Company anfangen, aber die kommt erst später, damit Ihr bei der Stange bleibt. Erstmal wird’s hip.
Hipmunk heißt reichlich rätselhaft dieser Dienst mit einem Eichhörnchen als Wappentier (engl. Chipmunk), was nicht weiter rätselhaft wäre, wenn es sich dabei nicht um Flugbuchungen handelte. Und die werden so aufbereitet, wie man es noch nie gesehen hat. Die Ergebnisse werden dann sortiert nach “Agony”, also Quälerei ausgeworfen. Agony definiert sich dabei als Summe von Frühaufstehen, Umsteigerei, Flugdauer und Preis. Die Rangliste der Quälerei ist ziemlich interaktiv, amüsant sogar. So können mit weiteren Filterfunktionen die Red-Eye-Flüge rausgeschmissen oder andere Flüge angezeigt werden, die noch schlimmer sind, als das, was man schon sieht. Zeitfenster können durchs Ziehen von Begrenzungslinien weiter eingeschränkt werden. Die Anzeige aktualisiert sich dynamisch. Alle Zwischenstopps, alle Grunddaten überhaupt werden visuell statt textlich angezeigt. Höchst modern, neu gedacht, extrem bedienfreundlich und schneller als alles Andere.

mflow ist ein Musikdienst, der allein schon vom Design her in dem Maß begeistert, wie LastFM mir auf die Nerven geht. Er erinnert in der Methodik an Blip.fm, indem es eine Community von Musikliebhabern bildet, die bei mflow jeweils das erzeugen, was sie hier einen “flow” nennen. Da wo LastFM duch Trägheit und mangelnde Intelligenz im Musik-Matching-Algorithmus stört, tut’s Blip mit nicht funktionierender Musik und ebenso schlechter Tonqualität wie bei allen anderen Streamingdiensten. Blip und mflow arbeiten gar nicht erst mit pseudo-intelligenten Musikalgorithmen (iTunes-Nutzer kennen das von “Genius”), sondern, indem sie einfach Fans und die Sachen abgleichen, die sie gern hören. mflow funktioniert zudem auf mobilen Geräten, weil es mit HTML 5 gebaut ist – Blip.fm setzt auf Flash – und überzeugt mit hohen Datenraten. Die ersten fünf Stücke, die man auf Facebook oder Twitter postet, kann man sich übrigens kostenlos runterladen.

Höchste Zeit für den heißesten Schuppen New Yorks:

Hashable. Top-trendy ist der Dienst allein schon deshalb, weil man ihn nicht kapiert. Was also tut es, dass einige Hashable für das neue Twitter halten – jedenfalls, was den Buzz-Faktor angeht? Anders als Twitter, Facebook, Foursquare und Co. geht es bei Hashable nicht um Gespräche, Freunde oder Orte. Sondern um Beziehungen. Und darum, was man mit ihnen in der Offline-Welt anstellt. Dabei nutzt Hashable Twitter, E-Mail und in der Zukunft vermutlich auch weitere Dienste. Die Art und Weise, wie man dabei sein Netzwerk aufbaut, liegt dabei in den Beziehungen, die einzelne Leute zueinander haben. Ganz zeitgeistig ist es auch in seiner Status-Mechanik – es gilt, Punkte zu ergattern, sogenannte Hashcreds, also Credits, wie man sie auch bei Foursquare ercheckt. Klingt zunächst abstrakt, funktioniert dann aber doch ganz einfach, vermutlich sogar lawinenhaft und wird mit einiger Sicherheit noch ganz groß. Im Auge behalten.

Und nun zum Unterhaltungsprogramm.
Snab ist ein Projekt der Fachhochschule Trier, das sich der Bekämpfung eines der großen Themen unserer Zeit verschrieben hat: Dem Global Boring. Kurzum, eine Aktionsgruppe für (gehobenen) Unsinn, bei der jeder mitmachen darf. Auch hier kann man sich durch seine Verdienste im Kampf gegen die Langeweile Abzeichen verdienen.

Echoism wiederum kümmert sich um die schönen Dinge des Lebens. Genaugenommen um Symmetrie. Gesichtssymmetrie. Es gibt die altbekannte Theorie, dass Menschen dann als besonders attraktiv gelten, wenn ihr Gesicht hübsch symmetrisch ist. Das haut bei den meisten Menschen nicht hin, was diese Seite mit einem großen Experiment verblüffend deutlich beweist. Das Projekt, das als iPhone-App und auf der Website funktioniert, nimmt die linke und rechte Gesichtshälfte, spiegelt diese symmetrisch und presto: Wir sehen zwei offenbar verschiedene Menschen. Erschreckend.

Cool Naming Creds gehen übrigens diesmal an alle genannten Projekte.

Heulen Sie mit!