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CSR-Radar Nr. 6

Das Thema Nachhaltigkeit wird für viele Unternehmen immer wichtiger, nicht zuletzt im Zuge von Ereignissen wie der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko oder aktuell der Atomkatastrophe in Fukushima.

Mit der immer lauter werdenden Forderung nach der Übernahme von gesellschaftlicher Verantwortung geht auch einher, dass man die Anstrengungen derer auszeichnen möchte, die bereits einen Unterschied machen. Die Anzahl an lokalen und nationalen Auszeichnungen und Preisen für nachhaltiges Engagement werden jährlich mehr.

Ob von gemeinnützigen Organisationen ins Leben gerufen oder von Unternehmen ausgelobt, nachhaltiges, verantwortungsvolles Verhalten zu würdigen und zu belohnen, ist keine Einzelerscheinung. Im Internet findet man eine relativ große Vielfalt an Preisen, die es sich allerdings genauer zu betrachten lohnt, da sie sich qualitativ zum Teil deutlich unterscheiden. Insbesondere aus Fachkreisen wird immer wieder Kritik geäußert. Durchaus berechtigt stellen sich manche z.B. die Frage, ob wir all die Awards überhaupt brauchen, welchen Mehrwert sie schaffen oder wie vertrauenswürdig sie sind – ganz ähnlich zur Diskussion der vielen Siegel, die es inzwischen gibt. Möglicherweise fehlt auch in diesem Bereich ganz einfach die nötige Transparenz. Diesen CSR-Radar möchten wir deshalb dazu nutzen, die drei in unseren Augen relevantesten und glaubwürdigsten Auszeichnungen der „grünen Branche“ vorzustellen.

Deutscher Nachhaltigkeitspreis

Der Deutsche Nachhaltigkeitspreis ist die wohl bekannteste und vermutlich auch bedeutendste nationale Auszeichnung für nachhaltig agierende Unternehmen. Er wird bereits seit 2008 im jährlichen Turnus im Rahmen des Deutschen Nachhaltigkeitstages verliehen – einem Kongress, der sich der nachhaltigen Entwicklung in Deutschland widmet und mit ca. 1.200 Teilnehmern und Gästen aus z.B. Wirtschaft, Politik und Forschung der größte seiner Art ist. Die Voraussetzung für die Teilnahme an der Preisvergabe ist eine fristgerechte Bewerbung.

Ausgezeichnet werden „Unternehmen, die wirtschaftlichen Erfolg mit sozialer Verantwortung und Schonung der Umwelt verbinden – und nachhaltiges Handeln zu weiterem Wachstum nutzen. Im Fokus stehen konsequentes Nachhaltigkeitsmanagement und Nachhaltigkeitsthemen in der Markenführung.“

Zudem wird ein Ehrenpreis vergeben. Dieser würdigt das Engagement von Persönlichkeiten, die „in herausragender Weise den Gedanken einer zukunftsfähigen Gesellschaft fördern.“

Der Deutsche Nachhaltigkeitspreis hat es sich zum Ziel gemacht, Unternehmen darin zu bestärken, nachhaltig zu handeln. Gleichzeitig will er die Grundsätze der nachhaltigen Entwicklung in den Köpfen der Menschen noch stärker verankern. Er ist eine Initiative der Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis e.V. u.a. in Zusammenarbeit mit der Bundesregierung und dem Rat für Nachhaltige Entwicklung. Gegen eine Teilnahmegebühr, deren Höhe von der Unternehmensgröße abhängt, können an dem Wettbewerb alle Unternehmen teilnehmen, die in Deutschland Produkte oder Dienstleistungen anbieten. Die Teilnahme kann sich auch auf ein Produkt, eine angebotene Dienstleistung oder eine Initiative eines Unternehmens beschränken. Im vergangenen Jahr gab es folgende Gewinner in den einzelnen Kategorien:

Zur Auswahl der Besten wurde eine eigene, transparente Methodik entwickelt, unter anderem mit den Partnern A.T. Kearney und dem Wuppertal Institut. Alle relevanten Stakeholdergruppen werden dabei in die kontinuierliche Weiterentwicklung mit einbezogen.

Den auf der Homepage aktuellsten verfügbaren Stand zur Methodik des Auswahlverfahrens bietet ein Bericht von dem Vorsitzenden der Jury des Deutschen Nachhaltigkeitspreises 2010, Dr. Günther Bachmann.

Fazit:

Der Deutsche Nachhaltigkeitspreis bemüht sich, Qualität zu gewährleisten. Er bietet ein transparentes Auswahl- bzw. Bewertungsverfahren. Zusätzliche Glaubwürdigkeit wird durch die Zusammenarbeit mit renommierten Einrichtungen und durch Perspektivenvielfalt mit Hilfe der Einbindung von z.B. Politik, Wissenschaft und Wirtschaft generiert. Die Methodik ist dynamisch. Sie darf und soll sich weiterentwickeln, denn „das Projekt Deutscher Nachhaltigkeitspreis ist als lernendes Netzwerk angelegt.“

Kritik, die von Seiten der Besucher durchaus berechtigt geäußert wurde, bezieht sich etwa auf die Auswahl der Sponsoren des Deutschen Nachhaltigkeitstages und -Preises. Es hinterlässt schon einen unangenehmen Beigeschmack, wenn man sieht, wie Konferenzgäste in den Pausen von Coca Cola, Heinz Ketchup und McCafé versorgt werden und auf einer Veranstaltung wie dieser eben keine biologisch angebauten und fair gehandelten Produkte angeboten werden. Unverständnis und zum Teil auch Verärgerung sind da vorprogrammiert, z.B. nachzulesen im Avocado Store Blog von Philipp Gloeckler. Teilnahmegebühren sind im Zusammenhang mit Auszeichnungen ebenfalls ein immer wieder genannter Kritikpunkt. Die Teilnahmegebühren zum Wettbewerb sowie Teile der Erlöse aus den Eintrittsgeldern werden von den Veranstaltern jedoch bereits seit 2008 für Nachhaltigkeitsinitiativen von Preisträgern gespendet.

Utopia Award

Die Utopia Awards werden ebenfalls seit 2008 im Rahmen des jährlich stattfindenden Utopia Kongresses in Berlin vergeben. Schirmherr der Veranstaltungen ist die Utopia Stiftung. „Ziel der Stiftung ist, den gesellschaftlichen Wandel in Richtung Nachhaltigkeit zu beschleunigen und die Macher des gesellschaftlichen Wandels zu unterstützen, coachen und begleiten.“

Gegründet wurde die Stiftung von Claudia Langer, ebenso wie die Utopia AG. Durch die Utopia AG wurde 2007 die Internet-Plattform für strategischen und nachhaltigen Konsum Utopia.de initiiert. Das Motto von Utopia lautet: „Heute nicht auf Kosten von morgen. Hier nicht auf Kosten von anderswo.“ Das Ziel, nämlich das einer nachhaltigen Welt, soll über die Konsumenten und die Veränderung ihres Einkaufsverhaltens erreicht werden. Denn schließlich wird das Angebot bekanntlich von der Nachfrage bestimmt. Die Utopia-Community zählt inzwischen ca. 65.000 Mitglieder.

Die Utopia Awards werden in den Kategorien Vorbilder, Organisationen, Unternehmen und Produkte vergeben. Gesucht werden von Utopia diejenigen, die wirklich etwas bewegen oder einen vollkommen neuen Impuls im nachhaltigen Bereich geben.

Jurypreis der einzelnen Kategorien:

Alle eingereichten Vorschläge werden vom Utopia Team geprüft, das eine Short-List mit den besten Einreichungen jeder Kategorie (max. 15 Vorschläge) zusammenstellt. In Vorjury-Sitzungen werden von Experten nachfolgend die Finalisten ausgewählt, aus denen das Kuratorium schließlich in der Hauptjury-Sitzung die Gewinner ermittelt. Für die Auswahl der Preisträger wurde von Expertenseite ein Bewertungsprozess sowie entscheidende Bewertungskriterien erarbeitet. Die ausschlaggebenden Kriterien für die Bewertung der Vorschläge sind: Innovation, Wirkung, Attraktivität und Effizienz. Eine detaillierte Beschreibung des Juryprozesses und der Bewertungskriterien können hier heruntergeladen werden.

Publikumspreis der einzelnen Kategorien:

Zusätzlich zum Jurypreis vergibt Utopia auch einen Publikumspreis je Kategorie. Hierfür kann die Community, aber auch jedes Nicht-Mitglied, die eigenen persönlichen Favoriten aus allen eingereichten Vorschlägen auswählen – nicht nur aus denen der Short-Lists.

Vorschläge für Vorbilder, Organisationen, Unternehmen und Produkte können  prinzipiell von jedem online oder postalisch eingereicht werden. Es sind also nicht unbedingt die Unternehmen (und Persönlichkeiten) selbst, die sich bewerben – allerdings ist das ebenfalls möglich und wurde bisher auch genutzt. Eine Teilnahmegebühr wird dabei nicht erhoben.

Fazit:

Juryprozess und Bewertungskriterien sind transparent und stimmig und die Expertenjurys sind auch tatsächlich mit Experten der Branche besetzt. Konferenz und Award werden klimaneutral durchgeführt, Müll wird möglichst vermieden und die Versorgung der Gäste wird von einem lokalen Bio-Catering übernommen. Auch auf der Ausstellungsfläche finden sich ausschließlich Unternehmen und Initiativen der Nachhaltigkeitsbranche wieder. Der Expertenkreis der Nachhaltigkeitsbranche öffnet sich immer mehr für die breite Öffentlichkeit und somit für deren Interesse und Anregungen – es entsteht ein Dialog über ein immer wichtiger werdendes Thema.

Ein Kritikpunkt, den man beim Deutschen Nachhaltigkeitspreis öfters hört, nämlich, dass internationale Prominenz, wie z.B. Jane Fonda und Prinz Charles ausgezeichnet werden, obwohl es sich doch um einen nationalen Preis handelt, kann Utopia sich nicht vorwerfen lassen. In der Regel werden nationale Persönlichkeiten ausgezeichnet, die, wenn auch sicherlich nicht nur, auch in Deutschland als Vorbild wirken.

KarmaKonsum Gründer-Award

Der KarmaKonsum Gründer-Award wird in Kooperation mit der IHK Frankfurt  realisiert und im Rahmen der KarmaKonsum Konferenz vergeben, die am 9. und 10. Juni 2011 bereits zum fünften Mal in Frankfurt am Main stattfinden wird.  Ziel des Awards ist es, einen Beitrag zur Förderung von Existenzgründungen zu leisten, die ökologische und/oder soziale Ziele verfolgen. Es sollen Geschäftsideen ausgezeichnet werden, die das Potenzial haben, die Wirtschaft nachhaltiger zu gestalten. Seit 2009 wird das Engagement des Gewinner-Start-ups mit einem Dienstleistungspaket von 30.000 Euro ausgezeichnet. Dieses Paket enthält u.a. Coaching-Leistungen, Werbeleistungen und redaktionelle Berichterstattung bei den Medienpartnern von KarmaKonsum.

Neben der Möglichkeit, relevante neue Kontakte zur Branche zu knüpfen und Unterstützung in Form von Beratung zu erhalten, bietet sich den Gründern somit zudem die Möglichkeit, eine größere Öffentlichkeit für ihre junge ökologische/soziale Unternehmung zu erreichen. Speziell für Start-ups ist dies natürlich ein wichtiger Punkt, da diese in der Regel besonders in der Anfangsphase keine finanziellen Mittel für Werbung aufbringen können.

Der KarmaKonsum Gründer-Award wird jährlich ausgeschrieben. Für den diesjährigen Award können sich ökologische/soziale Start-ups mit einem 10-seitigen Geschäftsplan bis zum 31. März bewerben. Voraussetzung hierfür ist die Erfüllung der von KarmaKonsum vorgegebenen Teilnahmevoraussetzungen. So darf die Gründung beispielsweise nicht weiter als zwei Jahre zurück liegen und der Sitz des Unternehmens muss in Deutschland sein. Anschließend werden die Bewerbungsunterlagen von einer Expertenjury gesichtet und fünf Finalisten ausgewählt. Die Entscheidung für den Gewinner des Awards wird von der Jury letztendlich nach einer persönlichen Präsentation der Geschäftsideen durch die vorselektierten Start-ups getroffen. Im vergangenen Jahr wurden 31 Businesspläne eingereicht. Überreicht wurde der Award von dem Musiker Thomas D. Hier eine kurze Zusammenfassung aus dem Jahr 2010.

Hinter der Rahmenveranstaltung, der KarmaKonsum Konferenz, steht Christoph Harrach. Er ist unter anderem Inhaber des 2007 gegründeten Öko-Lifestyle Portals karmakonsum.de. Die 2-tägige Konferenz ist unterteilt in Fachtagung (09.06.) und GreenCamp (10.06.) und gilt als eine der führenden Nachhaltigkeitsveranstaltungen in Deutschland. Die zentralen Themen sind neues Wirtschaften und nachhaltige Lebensstile. Zudem stellen sich auf einer Ausstellungsfläche Unternehmen vor, die ihren Konsumenten nachhaltige Alternativen anbieten. Mehr Infos gibt es hier.

Fazit:

Dennoch handelt es sich bei dem KarmaKonsum Gründer-Award um eine Nische – eine sehr wichtige, wie wir finden. Erfreulicherweise gibt es eine Reihe von deutschen Unternehmen, die sich auf einem guten, verantwortungsvollen Weg befinden. Eine Auszeichnung, die sich speziell an ökologisch-nachhaltige Gründer richtet, stellt eine wichtige Motivation für zukünftige Unternehmergenerationen dar und kann für das Gewinner-Start-up gleichzeitig einen deutlichen Aufwind mit sich bringen.

Wir finden: Schön, dass es attraktive Preise als Ansporn gibt, damit sich zukünftig immer mehr Unternehmen mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinandersetzen. Und wir hoffen, dass die Auszeichnung von Unternehmensverantwortung zukünftig eine noch größere Öffentlichkeit erreichen wird.

Hier noch eine kleine Auswahl an Auszeichnungen und Preisen für diejenigen von Euch, die tiefer ins Thema einsteigen möchten:

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