New Work oder new fake?

Sie können es bestimmt nicht mehr hören: Ja, die Arbeitswelt verändert sich. Der klassische „Nine-to-Five-Job“ stirbt aus. Die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit verwischen. Home Office und Remote Work heißen die neuen Arbeitsmodelle. Die Zusammenarbeit wird virtuell. Co-Working, Co-Places, Co-Spaces werden Normalität. Die Digitalisierung befreit und öffnet neue Möglichkeiten.

Die Antwort auf diese Challenges wird in Vorträgen, Bootcamps und Leadership-Summits als das „next big thing“ gefeiert. „New Work“.

„New Work“ist eine Kombination aus Selbstverwirklichung, Selbstbestimmung und Selbstversorgung.
Und wird oft aus mehreren Gründen falsch verstanden.

Der Philosoph und Anthropologe Frithjof Bergmann entwickelte „New Work“ vor rund vier Jahrzehnten als Vision für neue Arbeit. Heute sehen viele Unternehmen „New Work“als Methode, Angestellte raffinierter zu domestizieren und auszubeuten.

„New Work“ ist nicht Bällebad, Obstkorb, Mitarbeiter-Pilates und die 25-Stunden-Woche. „New Work“ bedeutet, Arbeit anders zu denken und zu gestalten. Mitarbeiter sollen das machen, was sie „wirklich, wirklich wollen“ – die Arbeit, in der ihre Leidenschaft und „Purpose“ stecken. Doch „New Work“ in den meisten Unternehmen bedeutet: Re- oder Umstrukturierung der Organisation und Führung, jetzt mit „New Work“-Label. Der durchsichtige Versuch, cool rüberzukommen für die Gen Y oder Z.

„New Work“ ist oft nur ein Marketing-Trick. Unternehmen bauen Strategien auf, um sich mit „New Work“-Aspekten wie Achtsamkeit und Selbstorganisation gut zu verkaufen. Eine echte Systemveränderung findet meistens nicht statt.

Die gute Nachricht: um „New Work“ in Ihrem Unternehmen zu etablieren, können Sie sich die Kosten für das Bällebad erstmal sparen. Denn „New Work“ fängt immer zuerst bei einem selbst an. Sie müssen sich zunächst hinterfragen: „Mit welchem Wertekanon, mit welchem Sinn und Zweck möchte ich mein Unternehmen leiten?“
Vertrauen in die Mitarbeiter ist dabei das wichtigste Invest. Die Führungskräfte müssen bereit sein, Macht an die Mitarbeiter abzugeben. Bis es im Zweifel auch mal wehtut und z.B. alle Führungspositionen im Unternehmen von allen Mitarbeitern/ innen gewählt werden. Selbstständigkeit, Handlungsfreiheit, Selbstverwirklichung, Zusammenarbeit, Offenheit und Zugänglichkeit sind die Basis für „New Work“.

Also: auf die Plätze, fertig, los? Ein Haken wäre da noch: Könnte es auch sein, dass wir uns alle in einer „New Work“-Filterblase befinden?
Denn „New Work“ blendet die Arbeitsrealität vieler Menschen aus. Die Polizei oder eine Pflegerin können nicht von zu Hause arbeiten. Nicht jeder möchte selbstbestimmt arbeiten oder Verantwortung übernehmen. Und wenn die Demokratisierung von Entscheidungen zur Kollektivierung von Verantwortung und damit zu Unverbindlichkeit führt, ist „New Work“ nur eine Illusion.
„New Work“ ist trotzdem eine Bewegung, die richtig und wichtig ist. Sie stellt unsere Arbeitsweise zu Recht in Frage und verändert die Art der Kommunikation und Zusammenarbeit. Zum Wohl des Unternehmens. Und des Mitarbeiters.
Falls Sie mehr über „New Work“ in Ihrem Unternehmen, Personalmarketing und Employer Branding wissen möchten, lassen Sie uns darüber sprechen.